Mittwoch, 28. Oktober 2009

Erste Interviews für Promotion & erste Rugby-Versuche

27.10.2009
Da hier unter der Woche nicht so viel los ist – was Bars und Discotheken angeht – haben wir uns gestern Abend alle in der Hostel Lounge versammelt, um Karten zu spielen. Das Spiel heißt „Bullshit“, kennt jeder. Man legt eine bestimmte Anzahl an Karten verdeckt auf den Tisch und sagt was es sein soll „drei Könige“ oder „fünf siebenen“ und wenn man das nicht glaubt, schaut man drunter. Sind die Karten richtig, muss der jenige die Karten nehmen, der Bullshit rief – sind die Karten falsch, muss man selbst alle Karten aufnehmen. Das Prinzip ist, mit Lügen zu gewinnen. Aber die Moral von der Geschichte ist, ich hab nie gelogen und doch gewonnen…

Dann hatte ich heute mein erstes Interview bei einer Promotionfirma. Lisa hatte einen Termin und ich bin einfach mitgegangen. Irgendwann muss man ja mal anfangen. Also wir hin zum Büro, wussten aber nur, dass es ums Marketing geht. Wir haben - unüblich für Melbourner - die Treppe genommen (wo Orgelmusik gespielt wurde, sodass wir dachten, wir seien auf dem weg zum Bestatter) und sind erstmal direkt in den Büroräumen gelandet, statt am Empfang und erwischten einen Mann beim Haare stylen. Sah schon (entschuldigt für den Ausdruck!!!) ziemlich schwul aus. Dann geleitete er uns mit dem Spruch "verrückte deutsche Mädels" zum Empfang, wo bereits Andere warteten. Wir also zum Empfang (Lisa fielen gleich die Herzen an der Tafel an der Wand auf!!!), begrüßt uns eine der aufgetakelten Mädels mit "Aaaaaah, heeeeeeey. My naaaaaame is ....blablabla... Looooooovely to meeeeeeeeeet you!" Da war mir schon klar, „Das ist nix für mich!“ Aufgetakelte Mädels, die in einer super hohen Stimme sprechen, alle Wörter in die Länge ziehen und alles lieben, was so passiert - geht gar nicht!!!

Wir sollten einen Zettel ausfüllen, wer wir sind, was wir so gemacht haben und warum wir hier sind. Naja, fix gemacht und nebenbei lief ja dann endlich tolle Partymusik (wo wir uns es nicht nehmen konnten, mitzusingen - den Job hier wollten wir ja eh nicht, aber die Erfahrung heute wollten wir noch mitnehmen). Dann kam ein junger Mann rein, der alle Namen vorlas, die nun zum Gespräch rein sollten und endete seinen Satz mit "Beautyful!" (Wunderschön!) und zog das Wort auch so in die Länge. Lisa und ich schauten uns an "Schwul!" war gleichzeitig unsere Antwort. Also ging es zusammen rein zum Gespräch, mit vier Anderen (eine aus Dublin - sehr pummelig und unvorteilhaft gekleidet, drei weitere aus Dtl. – ein Langzeitarbeitsloser, der nun reist und ein schreckliches Englisch hat und zwei Mädels, die Lehrerin werden wollen, aber den Mund nicht aufbekamen). Wir stellten uns vor und erzählten, was wir so bisher gemacht haben und dieser Manager bemerkte nach jedem Satz von uns oder von ihm, dass ja alles "Beautyful" sei. Bei solchen Leuten, die alles lieben oder toll finden, bekomme ich ja Gänsehaut und ich musste mich echt zusammenreißen, nicht loszulachen. Der war soooo peinlich. Der Typ aus Dtl. (mit dem schlechten Englisch) erzählte dann auch noch, dass er ja im letzten Monat einen Business-Englisch-Kurs gemacht hätte und beendete seine Erzählung mit "And this was very good." (Und das war sehr gut.) wobei er die Wörter so schrecklich betonte, dass es in den Ohren echt weh tat. Der "Beautyful"-Typ ging dann irgendwann raus, um sich zu beratschlagen und kam wieder rein, um die Namen vorzulesen, wer zum nächsten Gespräch kommen sollte. Dabei hatte er noch nicht mal erwähnt, was unser Job sein würde. Wir wussten, sie arbeiten mit Wildlife-Organisationen zusammen. Vermutlich ging es um Spendensammeln, aber wir werden es wohl nie erfahren, denn Lisa und ich waren als einzige nicht dabei. Wir mussten so lachen, weil wir bzw. vor allem auch ich mit meiner letzten Position in Hamburg, am besten darein gepasst hätten. Aber vermutlich suchten die Leute, die sie kuschen konnten und so hinbiegen, wie es ihnen gefällt und da passen wir dann ganz und gar nicht rein! Wir sind dann alle Mann runter - keiner hat das Auswahlsystem verstanden - und unterhielten uns über diesen Schleimertypen, als der Mann zurück kam, den wir vorher beim Haare stylen erwischt hatten. Er fragte uns, wie unser Interview gelaufen sei und Lisa meinte nur trocken "Oooooh, was beauuuuuuuuuuuutyful and we had noooooo prooooooooooooooooblems!" Der Typ überlegte kurz und meinte dann nur, dass der Manager manchmal verrückt sei. Das war echt das beste Interview, das ich je hatte...

Da die Sonne heute so herrlich schien, sind wir mit ein paar Leuten vom Hostel in den Park, um uns sportlich zu betätigen. Erst stand Volleyball auf dem Spiel und als dann später Cameron (Rugbyspieler aus Neuseeland) mit seinem Freund dazu kamen, spielten wir Rugby (nur ohne tackeln). Ich war nicht mal schlecht und schaffte es sogar, dieses Ei von Ball per Fuss und Hand zum nächsten Spieler auf einer langen Distanz zu werfen.

(ACHTUNG!!! Nichts für Kinder!!!)
Nun haben wir Melbourne auch umgetauft. Einerseits, weil es hier doch meist ziemlich langweilig ist (in der Woche kann man nicht großartig weggehen) und andererseits, weil die Frauen hier alle so overdressed rumlaufen, egal ob für das Business oder wenn sie ausgehen, so dass es schon super schlampig wirkt. Kurzes Kleidchen, super Highheels!!! Nun heißt Melbourne…

Melboring Bitch City

Samstag, 24. Oktober 2009

Berufung gefunden...

23.10.2009
Heute waren wir wieder auf dem Victoria Market, um den Heißhunger nach Obst und Gemüse zu stillen. Beides ist sehr teuer im Supermarkt und nun, wo die Sonne jeden Tag herrlich scheint, genieße ich gerne meine Früchte beim Picknick im Park.

Zurück im Hostel, erfuhren wir, dass es zwei kostenlose BBQ's hier in der City geben soll. Also machten wir uns auf die Suche (Sandra aus Holland, Ian, Kali + Lisa + Ben + Lucas aus Dtl. und ich). Nach einem kurzen Fußmarsch, fanden wir auch schon die erste Bar (Exford). Auf einer Hinterhofterrasse bekamen wir dann Würstchen (mit Heinz-Ketchup) gebrutzelt. Dann machten wir uns auf zur zweiten Bar (SynBar). Diese lag in einem Hinterhof (sah sehr schäbig aus), doch als wir dann oben waren, führte uns der Geruch von gebrutzeltem Fleisch auf eine sehr große gemütliche Terrasse mit Blick auf die Strasse. Nach einigen Bürgern und einem Wein / Bier (nun hatten wir unsere Berufung gefunden - kostenlose BBQ's finden), machten wir uns dann gesättigt auf den Rückweg.

Da Kali ihren Geburtstag heute reinfeiern wollte, machten wir uns wieder in einer großen Gruppe auf den Weg in eine Disco hier in Melbourne. Wir erhielten freien Eintritt und Kali einen Getränkegutschein im Wert von 50 $. Die Disco war recht groß, der Einlass erfolgte für uns über die Members-Line (Mitglieder). Als wir jedoch drin waren, folgte der Schock. Sie spielten ur-ur-ur-uralte Musik auf zwei Ebenen. Wir waren in der "Dorfdisco" von Melbourne gelandet. Wir beschlossen, nur schnell den Gutschein zu "vernichten", ein wenig das Tanzbein zu schwingen und dann wollten wir uns auf die Suche nach einer anderen Location machen.

Endlich draußen, liefen wir durch die Innenstadt, um andere nette Bars zu finden, doch die meisten wollten noch immer (es war bereits gegen zwei Uhr) Eintritt haben. Also hielten wir vor einem kleinen Restaurant, da sich einige mit einem Stück Pizza stärken wollten. Ich wartete mit Lisa, Kali und Lucas draußen, als sich plötzlich ein betrunkener Typ in unsere Gruppe gesellte, der gerade drei Stück Pizza gekauft hatte. Ich sah ihn an (erinnerte mich an unsere heute entdeckte Berufung) und meinte nur „Oh, vielen Dank! Wäre aber nicht nötig gewesen!“ und deutete auf seine Pizzastücke. Daraufhin bot er uns diese an. Wir lassen uns ja nicht lange bitten, wenn es darum geht, etwas umsonst zu bekommen. Also griffen wir, Lisa und ich, zu. Ein Stück war ihm wohl zu wenig, also ging er wieder rein und kam erneut mit drei Stücken heraus und gesellte sich wieder zu uns. Diesmal fragte er uns, ob wir noch was wollten. Da Kali beim ersten mal noch nichts genommen hatte, nahm sie diesmal eins und genau das Stück, was er unbedingt gerne essen wollte. Also ging er wieder rein. Crazy Leute…! Lucas, als einziger Junge in unserer Runde, konnte uns beim genießen der Pizza nur zusehen. Es ist schon manchmal echt toll, eine Frau zu sein!!!

Zurück im Hostel, verzogen sich die meisten gleich ins Bett. Ich nutze diese Gelegenheiten ja gerne, um mich mit Einheimischen bzw. Englischsprechenden zu unterhalten. Diesmal gesellte ich mich zu Morry in die Küche oder er sich zu mir, als ich mir schon mal ein paar Brote für mein späteres Frühstück schmierte. Da es Frühstück nur von sieben bis neun gibt und ich nicht gewillt oder fähig sein werde, dann wieder aufzustehen. In Dtl. ginge das nicht. Dort nennt man das dann Diebstahl. Aber hier bekam ich nur ein anerkennendes „Cleveres Mädchen!“ vom Hostelpersonal. Morry ist ursprünglich aus Tasmania, schon im reiferen Alter und arbeitet drei Nächte (am WE) hier im Hostel (Aufräumen und für die Sicherheit sorgen). Und davon kann er super leben – braucht keinen weiteren Job. Irgendwann will er nach Taiwan, um dort ein kleines Café zu eröffnen. Er gab mir ein paar Tipps zur Jobsuche hier und gegen vier Uhr morgens, packte ich mich dann ins Bett.

26.10.2009
Am Samstag wollten wir eigentlich wieder auf die Piste gehen, leider waren wir alle noch so müde, dass die meisten den Treffpunkt verpasst haben – darunter war auch ich. Also beschloss ich, mir eine DVD anzuschauen, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Ich lieh mir also „Cloverfield“ an der Rezeption aus. Für alle, die den Film nicht kennen, das ist ein Film, aufgebaut, wie eine Dokumentation (also nur privat gedrehte Videoaufnahmen) über den Untergang der Menschheit. Was heißt, knappe zwei Stunden, rennen Menschen schreiend durch die Gegend und dementsprechend sind auch die Aufnahmen. Am Ende des Filmes, war mir so schlecht, wie nach zwei Stunden Achterbahn fahren! Ich dachte schon, ich müsste mich noch übergeben, so schlecht war mir. Ist mir ja noch nie passiert. Und dann musste ich auch noch feststellen, dass sich diese Opfer (Übelkeit) noch nicht mal gelohnt hat. Der Film war einfach nur eine Katastrophe mit einem blöden Ende.

Gestern fuhr ich dann mit Cameron (New Zealand), Lisa, Kali und Lucas nach St. Kilda an den Strand. Wir haben gehört, dass dort, bei Sonnenuntergang, Pinguine an Land kommen sollen. Das wollten wir uns also nicht entgehen lassen.

Schnell eine Jacke eingepackt, machten wir uns mit der Tram (Straßenbahn) auf den Weg. In St. Kilda angekommen (ist nur ein paar Minuten von Melbourne entfernt), war es noch sonnig, aber schon echt windig. Wir schlenderten erst durch die Promenade und dann am Strand entlang. St. Kilda ist wunderschön, mit Palmen und einem herrlichen Sonnenuntergang – der allerdings so schnell ging, dass ich gerade mal ein Foto von schießen konnte. Der Wind war gnadenlos kalt, doch wir kämpften uns weiter zum „Pinguin-Strand“ vor. Mittlerweile hatte ich schon eine Decke um mich gewickelt und eine Mütze und Kapuze auf, um dem Wind zu trotzen, aber es war dennoch super kalt. Erst recht, als wir auf den Pier raus liefen. Dann endlich hatten wir den besagten Strandabschnitt (der allerdings nicht entlang der Küste ging, sondern direkt rein ins Meer) erreicht. Um einige Bereiche haben sich kleinere Menschentrauben versammelt, also begaben wir uns zu erst dort hin. Es gab nur zwei Möglichkeiten, warum dort so viele Menschen standen – ein Unfall oder Pinguine, wobei die zweite Möglichkeit wahrscheinlicher war. Und dann erspähten wir sie im Dunkeln. Einige Pinguine-Lifeguards waren ebenfalls da, um die Besucher daran zu hindern, Blitzlichtbilder zu schießen. Diese hatten rotes gedämmtes Licht dabei, womit sie auf die Tierchen zeigten, damit man überhaupt etwas sieht. Und die Tierchen waren so putzig. Einer lief plötzlich vor mir auf dem Steg und schaute mich an. Als ich allerdings näher kam, lief er geschwind davon. Wie süüüüüüüüüüüß.

Als es zu kalt wurde (Cameron, der ja eigentlich nur die herrliche Sonne aus Neuseeland kennt, hatte nur Flip Flops an und sponserte seinen Pulli für Kali, sodass er nur noch im T-Shirt unterwegs war), begaben wir uns auf den Rückweg. Während wir auf unsere Tram warteten, unterhielten wir die anderen Wartenden mit unserem Gesang…

Zurück im Hostel – es war ja noch nicht spät - wollte ich es mir noch in meinem Bettchen mit einem Film gemütlich machen. Doch als ich in mein Zimmer kam (ich teile ja jetzt mein Zimmer mit drei Jungs), waren die zwei Argentinier bereits im Bett. *grrrrr* Dennoch schaute ich mir wieder einen Film mit Weltuntergangsszenarium an. Irgendwie ja doch immer das Selbe, dennoch war es echt spannend gemacht. Der Film hieß „Knowing“, ist also – wer auf so etwas steht – zu empfehlen.

Heute wollte ich eigentlich meinen CV (Lebenslauf) in der Bücherei ausdrucken, hab aber leider die Mitgliedskarte vergessen. *typisch ICH* Nun muss ich auf Ian oder Lucas warten, die eine haben. Wird also wieder ein erfolgloser dennoch aber entspannter Tag (die Sonne scheint nämlich herrlich heute) Gott, bin ich froh, dass ich jetzt hier und nicht in Deutschland bin *lol*

Mittwoch, 21. Oktober 2009

20.10.2009
Heute ging es relativ früh hoch, da wir auf den Victoria Market wollten und dieser nur von 6 bis 14 Uhr auf hat. Das ist ein sehr großer und bekannter Markt hier in Melbourne, wo man Kleidung, Lebensmittel, Tiere, etc. erwerben kann.

Als wir den Markt dann erreichten, schlug mein Herz höher. Zig Verkaufstische reihten sich aneinander und man konnte alles erwerben, was man so braucht. Als erstes kaufte ich mir eine etwas wärmere Jacke - der Wind abends ist doch ziemlich frisch - mit dem großen Aufdruck "Australia" (peinlich, ich weiß, dafür aber günstig). Und wunderschöne Kleider gibts da. Werd nochmal wiederkommen und einen Girlysday einlegen und Kleider shoppen gehen...

Dann erreichten wir ein Haustiergeschäft, in dem kleine süße Jack Russel Welpen auf ein neues Zuhause warteten. Wie gern hätte ich mir einen davon eingepackt. Schon ein paar Tage zuvor - ich stand vor einem anderen Haustiergeschäft - sah ich kleine süße Kätzchen, wie sie rumbolzten, ihre Schwänze fingen und aufeinander sprangen. Hmmm, wie sehr mir meine Mulle fehlt...!

Dann erreichten wir den Obst- und Gemüsebereich und kauften super günstig ein. Ein Kilo Wassermelone kostete nur einen Dollar! Drei Knollen Knoblauch gab es schon für ebenfalls einen Dollar. Also deckten wir uns mit ein paar leckeren Dingen ein und beschlossen, den super sonnigen Tag im Park zu verbringen...

Montag, 19. Oktober 2009

Verwirrende Unterschiede...

19.10.2009
Da es derzeit nicht wirklich etwas Spannendes zu berichten gibt – Melbourne ist nun nicht die Sightseeing City - hab ich mir etwas anderes überlegt, damit ihr wenigstens etwas von mir hört bzw. lesen könnt. Ich hab mir mal Gedanken gemacht (auch auf Wunsch einiger Freunde), was es so für Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland und dem Leben hier in Australien gibt! Hier einige Beispiele...

Linksverkehr
Neben dem allbekannten Linksverkehr (skurril, wenn man das erste mal „verkehrt herum“ in den Kreisel fährt), läuft man hier auch auf der linken Seite des Fußweges. Aber im Gegensatz zu Deutschland, schaut dich keiner böse an, wenn man doch mal auf der rechten Seite läuft. Blöd nur, wenn man sich nicht ans Linkslaufgebot hält, während man sich einer Rolltreppe nähert. Die sind nämlich auch Seitenverkehrt.

Straßensicherheit
Steht man als Fußgänger in Sydney an den diversen Straßenkreuzungen, braucht man nicht verzagen, wenn man nicht weiß, in welche Richtung man zu erst nach einem heran nahenden Auto schauen soll. Ein Blick auf den Boden vor einem und man ließt den freundlichen Hinweis „look right“ bzw. „look left“. Sehr nützlich, wenn diverse Straßenzweige vor einem liegen, an denen man immer in verschiedene Richtungen schauen muss – was allerdings witzig aussehen muss, wenn man den Kopf dauernd hin und her wirft (unten schauen – rechts schauen – laufen – unten schauen – links schauen – laufen – unten schauen - …)

Rechtsabbiegen
Bewegt man sich dann doch mal mit dem Auto durch die Stadt, kann man auch ganz leicht ins Schwitzen kommen. Nähert man sich einer großen Kreuzung und will hier nach rechts abbiegen, bloß nicht rechts einordnen!!! Nein, man ordnet sich ganz links ein! Ein Schild weißt darauf hin „TURN RIGHT FROM LEFT ONLY“ (rechts abbiegen, nur von links). Bei Grün tastet man sich dann langsam und vorsichtig an die Kreuzungsmitte ran und biegt dann nach rechts ab, wenn alles frei ist. Ziemlich dämlich, da wir in einer Großstadt sind und die Kreuzung nie frei ist, aber das ist die australische Logik.

Grünphasen
Dazu kommt, dass die Grünphasen für Fußgänger sehr kurz sind und die Rotphasen dafür umso länger. Daher wartet hier niemand auf grün (nicht sehr förderlich, wenn man Kinder hat und denen ein gutes Vorbild sein will)! Aber nach nur wenigen Tagen hat man das Prinzip verstanden, wann man gefahrlos an den stark befahrenen Strassen bei rot laufen kann.

Laufrichtung
Damit auch die „dummen“ Besucher in öffentlichen Einrichtungen verstehen, auf welcher Seite sie zu laufen haben, findet man auf dem Boden Pfeile in Gehrichtung. Aber nicht nur vereinzelt einen, sondern jeden Meter einen und man braucht nur stupide den Pfeilen folgen, um auch wirklich alles in der Einrichtung zu sehen.

Spülen für Groß oder Klein?
Wo wir gerade bei Hinweise für Dumme sind… Begibt man sich auf die Toilette, kann man nach seinem Geschäft entscheiden, ob man die Taste am Wasserkasten für große oder kleine Geschäfte drückt. Das Zeichen dafür würde ich mal so beschreiben: Es ist ein Kreis – ähnelt dem Toilettenrand, wenn man von oben reinschaut – entweder komplett braun oder mit einem braunen Halbkreis. Wer die Wahl hat, hat die Qual! Aber halbvoll ist ja für andere schon wieder halbleer!!! Und wer bestimmt eigentlich, welches Geschäft nun groß oder klein ist…?!

Toilettenstrudel
Übrigens gibt es hier in Australiens Toiletten keinen Strudel (ich wurde von vereinzelten Personen gebeten, heraus zu finden, ob das Wasser in den Toilette eine Abflussrichtung nach rechts oder links hat)! Die Spülung die von oben kommt, ist so stark, dass man nicht erkennen kann, wohin es dann abfließt. Also, ich kann da keine Richtung erkennen…!

Apropos Wasser
Stilles Wasser ist hier in den meisten Cafés bzw. Restaurants gratis. Setzt man sich also an einen Tisch, bekommt man zuerst eine Flasche Wasser und Gläser auf den Tisch gestellt und dann nehmen die freundlichen Mitarbeiter erst die Bestellung auf.

Freundlichkeit der Aussie’s
Kommt man in ein Geschäft oder trifft man jemanden irgendwo, wird man auf jeden Fall mit einem „Hello, how are you?“ begrüßt. Viele denken, dass das nur Oberflächlichkeit ist. Aber ich mag das mehr, als die unfreundlichen und meist genervten Gesichter in Deutschlands Geschäften. Doch noch besser finde ich, dass man hier noch einen „Spitznamen“ bekommt, bevor man sich überhaupt kennen gelernt hat. Da kann es einem passieren, dass man in einem Laden mit „Hey mate (Kumpel), how are you?“ begrüßt wird. Oder bedankt sich jemand, heißt es liebevoll „Thanks sweety!“ Hat man dann doch schon ein oder zwei Wörter miteinander gewechselt (unter Backpackern heißt das, dass man sich ja jetzt schon fast ein Leben lang kennt), dann wird an fast jedem Satz ein „honey“, „hun“ (Kurzform von honey) oder „luv“ (Liebes) angehangen. Das gibt einem irgendwie immer das Gefühl, man sei was Besonderes. Claire – vom Hostel in den Blue Mountains – macht das sehr gern. Wenn sie mit einem sprach oder jemanden um etwas bat, dann fügte sie immer ein liebevolles „luv“ an ihren Satz. Das machte sie sehr liebenswert. Aber ihre ganze Art war sowieso sehr liebenswert! Sie ist so ein fröhlicher lebenslustiger – ständig lächelnder – durchgedrehter Mensch.

Türschlösser und ihre Schließrichtungen
Was mich hier allerdings noch immer verzweifeln lässt, sind die Türschlösser und deren Schließrichtungen. Soweit ich mich erinnern kann, hatten alle Türen in Dtl. (bis auf die Wohnungseingangstür in Cottbus) das Schloss auf der linken Seite der Tür und dreht man den Schlüssel dann im Uhrzeigersinn nach rechts, öffnet man die Tür und nach links, verschließt man sie. Ganz simpel!!!

Hier allerdings ist es ganz konfus.
- Mein Hotelzimmer in SYD hatte das Schloss auf der RECHTEN Seite der Tür, zum Aufschließen konnte man den Schlüssel allerdings in BEIDE Richtungen drehen.
- Die Duschtür in SYD hatte das Schloss auf der LINKEN Seite der Tür und zum aufschließen dreht man den Schlüssel nach LINKS, zum verschließen nach RECHTS.
- Die Toilettentür in SYD hatte das Schloss auf der RECHTEN Seite der Tür, zum aufschließen dreht man den Schlüssel nach LINKS, zum verschließen nach RECHTS.
- Mein Hotelzimmer in MELB hat das Schloss auf der LINKEN Seite und zum aufschließen dreht man den Schlüssel nach LINKS.
- Die Glastür zu jedem Stockwerk in MELB hat das Schloss auf der RECHTEN Seite und zum aufschließen dreht man den Schlüssel nach RECHTS.
Ich könnte immer so weitermachen. An jeder Tür variiert die Schlossseite und die Schließrichtung. Und dazu kommt noch, dass man fast überall den Schlüssel über Kopf ins Schloss stecken muss. Ich hoffe, ihr seid jetzt genauso verwirrt, wie ich hier…

Rasen betreten verboten!
Wer kennt sie nicht, diese Hinweisschilder in Deutschland?! Weiß eigentlich einer den Grund, warum das bei uns verboten ist?
Hier jedenfalls findet man diese Schilder nicht. Ganz im Gegenteil! Schilder mit dem Aufdruck „Rasen betreten erwünscht. Bitte lauft auf dem Rasen, umarmt Bäume und berührt die Pflanzen!“ sind in Australien stark verbreitet. Wir werden dazu aufgefordert, wieder mit Mutternatur in Berührung zu kommen, sie zu spüren und zu erleben.

Das Gras ist hier übrigens ganz anders. Es ist sehr hart und legt man sich drauf, piekt es einen unangenehm in die Haut. Dass die Pflanzen und Bäume hier anders sind, muss ich ja nicht extra beschreiben. Würde hier auch den Rahmen sprängen.

Mond und Sterne
Wenn man dann Nachts rauf zum Himmel schaut, sieht man nicht nur andere Sterne und Sternbilder, auch der Mond ist anders, denn während er Ab- oder Zunimmt, liegt er.

Shopping
Nachdem ich ja nun knapp einen Monat hier bin, sind mir einige Dinge eingefallen, die ich im Laden vermisse.
Brot ist hier fast ungenießbar. Es ist super weich und wabbelig. Drückt man ein Paket Brot zusammen, geht es nach wenigen Sekunden wieder in den Ursprung zurück. Es sättigt kaum und ist nur getoastet genießbar.
Würstchen sind hier ebenfalls sehr gewöhnungsbedürftig. Die sind in einer – zwar essbaren – Haut, dafür ist sie aber ziemlich hart (keine Ahnung, aus was die besteht). Aber die Würste schmecken hier bei weitem nicht so gut, wie unsere tollen Wiener Würstchen. Oh man, wie ich die vermisse.
Medizin, die man hier im Supermarkt bekommt – teilweise auch die Medizin, aus den Apotheken – ist sinnlos. Sie wirkt überhaupt nicht und ist einfach nur teuer. Also, wenn man richtig krank ist, lieber zum Onkel Doktor gehen und sich richtige Medikamente verschreiben lassen. Auch teuer, aber wirkt wenigstens schnell.
Taschentücher/Klopapier ist hier der Horror. Nachdem ich ja nun stark erkältet war, brauchte ich täglich etwa sechs (!!!) Packungen Taschentücher. Die Dinger sind hier sooooo dünn, dass sie – bei starker Erkältung – nicht mal für ein mal Schnauben ausreichen. Dazu kommt, dass die Dinger nicht weich sind, auch wenn es drauf steht. Ich vermisse meine Softis-Taschentücher. *heul* Die gute alte Deutsche Qualität!
Und das Toilettenpapier erinnert mich eher an Kreppapier. Einlagig, allerhöchstens zweilagig, aber super hart! *autsch*

Bezahlt wird hier ja bekanntlich mit dem Australischen Dollar. Hier sagt aber keiner „Dollar“. Umgangssprachlich sind es Bugs (= Käfer, Aussprache: Bags).

Alkohol
Wie auch in den USA, ist das Trinken in der Öffentlichkeit hier ebenfalls verboten. Wer dennoch Alkohol auf der Strasse genießen möchte, wickelt seine Flasche einfach in eine braune Papiertüte ein. Auch der Alkoholkonsum ist hier durch die Regierung geregelt. Man erhält Alkohol nur in sogenannten „Bottle Shops“ (Flaschenläden), welche aber auch erst zwischen vier und fünf Uhr Nachmittags öffnen.

Das englische F***-Wort
OK, das hier ist jetzt nichts für die Kleineren unter euch (Liebe Eltern, bitte nicht vorlesen!!!)

Die englische Sprache und ihre Eigenheiten ist doch sehr belustigend. Im Groben und Ganzen ist die englische Sprache doch sehr vereinfacht – keine elend langen Sätze bilden, ein Wort reicht meist aus, um einen ganzen deutschen Satz zu beschreiben. Aber was ich noch witziger finde ist, dass man mit einem einzigen Wort, fast einen ganzen Satz bilden kann. Glaubt ihr nicht? Hab ich letztes Wochenende gehört, als einer – der zu viel getrunken hatte - aus einer Bar rausflog… Also, noch mal. Das hier ist nix für Kinder!!!

Hier also der Satz aus (fast) nur einem einzigen Wort gebildet…

“Fuck you, you’re fucking Fucker!”
(eine Übersetzung ist glaub ich nicht nötig)

Der Typ hat sich etwa zehn Minuten mit den Türstehern angelegt, aber man hat meist nur das F***-Wort gehört. Kommunikativ, aber doch ohne wirklich viel zu sagen! ;o)

Samstag, 17. Oktober 2009

16.10.2009
Die letzten Tage waren nicht sehr aufregend. Neben Schlafen, standen meist nur noch Essen und Duschen auf meinem Tagesprogramm. Dafür wurde ich aber gut umsorgt. Ian versorgte mich mit Tee und Taschentüchern (da ich zu schwach war, raus zu gehen) und David und Benni (die Jungs die ich aus Sydney kannte), bekochten mich auch mal. Ein bis zwei mal war ich hier mit Philip (GER) und Ian (Engl.) in der Stadtbibliothek, da es dort kostenloses WiFi gibt. In einem separaten Raum sind zig Flachbildschirme und Spielkonsolen aufgestellt. Was uns gleich zum Wii spielen anregte. Um die Langeweile abends zu vertreiben (nur im Bett liegen ist der reinste Horror), veranstalteten wir ein paar Videoabende. Und eines abends, auf dem Rückweg zu meinem Hostel, bin ich hier im Park meinen ersten Possums – eine kleine Familie mit Baby - begegnet. Die sind ja soooo süß…! Leider mussten wir Philip und Michelle „bye bye“ sagen, da deren Reise bereits weiterging.

Seit gestern geht es mir wieder richtig gut. Daher hielt ich mich den größten Teil des Tages in der Stadt auf. Zuerst gab es in Chinatown „All you can eat“ für nur 9 $ und dann machte ich noch einen Stadtrundgang durch die Parks, bis an den Yarra River (Fluss) und ab zum Casino „Crown“. Nein, nicht zum spielen!!! Jeden Abend gegen acht Uhr, sobald es dunkel ist, findet dort eine Feuershow statt. Aus den Säulen vor dem Eingang und die Promenade entlang, schießen dann riesige Flammen empor.

Was hat sich noch so in den letzten Tagen getan? Oh ja, meine Pläne haben sich mal wieder etwas geändert. Ich werde vorerst in Melbourne bleiben und versuchen einen Job zu finden, um die Reisekasse aufzubessern (Melbourne soll der beste Ort dafür sein). Ian hat bereits nach einem Tag suchen (genauer, nachdem er nur einen CV ausgehändigt hatte) einen Job bekommen. Ich hoffe, das geht bei mir auch so schnell. Nach etwa einem Monat (so genau werden wir das aber auch nicht nehmen), wollen wir uns nach einem Van umschauen und dann soll es zusammen über die Great Ocean Road Richtung Westküste gehen. Auf der Suche, nach einem Job auf einer Range, mit Pferden, Kühen und harter Arbeit… oder so ähnlich. ;o)

Dann war ich gestern Abend endlich mal richtig aus. Wir machten uns zu sechst auf den Weg in eine Backpacker Bar. Aber da die meisten dort nicht mal mehr richtig stehen konnten, beschlossen wir, weiter zu ziehen. Ian erinnerte sich an einen Club, den wir also aufsuchten. Inzwischen fing es an zu regnen - Melbourner Mistwetter - und als wir dann endlich den Club erreichten, machten wir sofort wieder kehrt - Stripnight!!! Nur nackte Frauen und hechelnde Männer im Lokal. Mira (GER) erinnerte sich an einen Irish Pub, war sich aber nicht mehr sicher, wo der genau war. Also irrten wir einige Zeit durch das verregnete Melbourne Zentrum, bis wir endlich fündig wurden. Und es hat sich gelohnt. Der Laden war voll und eine Band spielte life. Wir feierten und tanzten die ganze Nacht. Und das schöne ist, wenn man hier jemanden aus Versehen anstößt, bekommt man keine bösen Blicke, sondern animiert dadurch andere, mit einem zu feiern. Nach nur kurzer Zeit, bildete sich eine riesige Traube Menschen um uns. Gegen vier Uhr fiel ich dann müde in mein Bett. Leider hatte ich vergessen, meine Zimmermiete zu verlängern. Daher musste ich gegen halb zehn Uhr schnell zur Rezeption runter, um mein Bett zu sichern. Da das aber schon vermietet wurde, musste ich auch noch in ein anderes Zimmer ziehen – und das am frühen Morgen, nach dieser Nacht! Aber ich kann wenigstens bleiben. Puha…

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