Freitag, 16. März 2012

2012-02 Malaysia, Penang - Part 5

21.02.2012

Dienstag Morgen wurden wir dann gegen 11.30 Uhr von Johan’s Tanten Winnie, Dotti und Linda abgeholt. Winnie ueberreichte mir ein Shirt, dass sie fuer mich gekauft hatte. Sie brachten uns zum ‘One Stop Shopping Centre‘, wo man angeblich die besten traditionellen Malay-Kleider (cheongsam) bekommt. Ich schaute mich also im Laden um und verliebte mich sofort in ein rotes Kleid. Ich probierte es an, doch es musste an einigen Stellen geaendert werden – malay Koerper und europaeische Koerper sind eben doch unterschiedlich. Die Ladenbesitzerin versprach, mein Kleid in den naechsten Tagen zu aendern, sodass es mir passen wuerde. Ich zahlte RM600 und freute mich sehr, das Kleid in wenigen Tagen nach Haus nehmen zu koennen.

Nachdem wir das erledigt hatten, fuhren wir allesamt ins ‘Gurney Plaza‘. Auf dem Weg dorthin, unterhielten sie sich wieder in ihren gemischten Dialekten. Ich musste sie immer wieder ermahnen, Englisch zu sprechen. Sie lachten und wiederholten alles fuer mich in Englisch.

Im Einkaufszenter liessen wir uns zum Mittag nieder. Tante Dotti zeigte uns, wo ihre Tochter nun arbeitete – ein Getraenkestand – und wollte, dass ich unbedingt ein Pflaumengetraenk probierte. Ich gab nach und liess sie eines kaufen. Ich nahm einen Schluck und mein ganzes Gesicht verzehrte sich – zu suess! Das war, als trinke man fluessigen Zucker. Ich wollte nicht unhoeflich erscheinen, doch musste ihr mitteilen, dass ich das nicht trinken konnte.

Ich schaute mich nach einem tablet PC um und fand eines, das meinen Wuenschen entsprach. Nachdem die Tanten eingekauft hatten, was sie wollten, brachten sie uns zurueck zum Hotel. Auf dem Weg zurueck, sahen wir einen Beerdigungsservice. Ein Transporter mit einer Ablageflaeche fuhr vor uns – mit Blumen und Elementen geschmueckt – und ein Mann, der auf der Ablageflaeche sass, schmiss gelbe Zettel auf die Strasse. Dahinter fuhr ein Transporter, der den Sarg transportierte und dahinter ein blauer Bus, der die Familie und Freunde transportierte. Angeblich gehoerte das alles zur Beerdigungszeremonie – ich nenne das nur Umweltverschmutzung!

Zurueck im Hotel, sprangen wir in den Pool, spielten Tischtennis und setzten uns wieder fuer ein paar Cocktails an die Bar. Gegen 18 Uhr fuhren wir erneut zum Einkaufszenter – Johan kann vom Einkaufen nicht genug bekommen - bevor wir draussen auf einen weiteren Nachtmarkt trafen. Hier hatten sie sogar die Baeume mit Lichtern geschmueckt und erneut hatten wir die riesige Auswahl an Essen. Diesmal probierte ich ‘Satay‘ (Huhn oder Kuh am Spiess), was fuer einen kleinen Snack gar nicht so schlecht ist.

2012-02 Malaysia, Penang - Part 4

20.02.2012

Am Montagmorgen, gegen 6 Uhr frueh, wurde ich dann unsanft aus dem Schlaf gerissen. Als wir dieses Hotel waehlten, hatte uns keiner vorgewarnt, dass dort eine Moschee, nur wenige hundert Meter vom Hotel entfernt, steht. Gegen 6 Uhr morgens ertoente eine singende Maennerstimme, die zum Gebet rief. Muslims beten 5 mal am Tag und jedes mal ertoent dieser Sprechgesang fuer rund eine halbe Stunde. Das machte mich fast wahnsinnig. Schlafen ging dabei gar nicht - also Ohrenstoepsel her und den Gesang damit abgeschaltet...

Zum Fruehstueck machten wir uns auf die Suche nach einem malaysischen Stand (das beste Essen bekommt man angeblich nur von einem 'hawker' Stand). Wir bestellten 'roti' mit Banane fuer mich und Johan bestellte 'roti tisu'. Ich sah dem Koch dabei zu, wie er 'roti tisu' herstellte - ein sehr aufwendiger Prozess. Aus einer Kugel Teig, formt er einen Fladen. Diesen Fladen nimmt er in beide Haende und wirbelt ihn solange in der Luft herum, bis er ganz duenn ist (duenn wie ein Taschentuch = tisu). Dann breitete er den hauchduennen Teig auf der heissen Kochplatte aus. Der Teig wurde sehr schnell knusprig und bevor er zu hart wurde, streute er Zucker darueber, rullte ihn zu einem Kegel zusammen und uebergoss ihn mit suesser Kondensmilch. So lecker. Hier ein Video, das ich auf Youtube fand: roti tisu

Da ich noch immer stark mit meiner Erkaeltung kaempfte, besorgten wir mir ein paar Medikamente. Auf dem Weg zurueck zum Hotel, kamen wir an einem Fisch-spa vorbei. Als wir den Raum betraten, erblickten wir 2 grosse Becken, sehr nett hergerichtet - ein Wasserspiel in der Mitte, Kissen ueberall verteilt und Fische wartend fuer die Kunden. Wir bezahlten EUR 5 pro Person und konnten bleiben, so lange wie wir wollten - wir waren die einzigen Kunden an diesem Morgen. Also setzten wir uns ans erste Becken, steckten die nackten Fuesse hinein und 'wusch' kamen alle Fische angeschwommen und begannen an den Fuessen zu nibbeln. Die Fische waren ziemlich gross - bis zu 10cm - viel groesser, als sie normalerweise sind. Daher war es manchmal ein wenig schmerzhaft, wenn die ganz grossen an ein und der selben Stelle rumknabberten - wie eine Holzpfeile. Johan steckte seine Fuesse zuerst hinein, nachdem ich ein wenig gefilmt hatte, steckte ich meine hinein und alle Fische schwommen zu meinen Fuessen und blieben dort auch - muss sehr leckere Fuesse haben. lol Nach einer halben Stunde, gingen wir zum zweiten Becken, legten uns hin und doesten fuer eine weitere halbe Stunde. So entspannend.

Dann bestiegen wir den Bus, der vor unserem Hotel stoppte und fuhren fuer EUR 0.50 pro Person zum Einkaufszenter 'Gurney Plaza'. Hier verbrachten wir den ganzen Tag. So viele Geschaefte und so viel guenstiges zum ansehen und kaufen. Wir schafften es nicht, alle Geschaefte zu besuchen, so muessen wir nochmal wiederkommen. Zu Mittag gingen wir in ein malaysisches 'Nyonye' Restaurant (Nyonye = Ureinwohner). Hier gab es Gerichte, die sie genauso kochten, wie die Ur-Malaysianer. lol Johan war gluecklich. Endlich wieder "richtiges" Essen, wie Mama es kocht.

Wir hatten Glueck. Da Johan malay ist, bekamen wir die besten Insider-Tipps. Wir erfuhren von einem malaysischen Nachtmarkt, wo nur Einheimische einkaufen und es daher noch viel guenstiger ist.

Als wir aus dem Bus stiegen, krochen mir verschiedene Gerueche in die Nase. Viele Staende waren hier im Zirkel aufgebaut. Essen, Schuhe, Getraenke, Fruechte, Hauswaren, usw. Ueblich ist es, das Essen zum mitnehmen zu kaufen. Sogar die Getraenke. Diese werden in eine Plastiktuete abgefuellt, mit einem Strohhalm versehen und dann zugebunden. Eine Schlaufe ermoeglicht, die Tuete am Mopedlenker zu haengen, sodass man auch waehrend der Fahrt trinken kann. Suppen werden ebenfalls in Tueten abgefuellt. So etwas habe ich zuvor noch nie gesehen.

Ich kaufte mir nichts zu essen, dafuer ein Paar neue Sandalen fuer unter EUR 3. Wir sahen dabei zu, wie sie an einem Stand ‘Sugar Cane Water‘ herstellten. Das Zuckerrohr wird durch eine Walze geschoben, sodass das Wasser nur so hinaus laeuft, was dann in einem Behaelter aufgefangen wird. Nachdem Johan sein Abendessen eingekauft hatte, fuhren wir zurueck zum ‘food court‘, wo ich mir wieder einen knusprigen Bananen-crepe kaufte.

2012-02 Malaysia, Penang - Part 3

19.02.2012

Es war Sonntag Morgen und wir hatten uns zum Fruehstueck mit Johan's Mutter und 4 weiteren Tanten verabredet. Diesmal gab es kein Hotelessen. Wir liefen durch die Strassen, durch dunkle Gassen, bis wir zu einem 'kopi tiam' kamen, einem 'Kaffeeshop'. Eigentlich ist es ein kleiner Raum mit Tischen und Stuehlen, ziemlich heruntergekommen und definitiv kein Ort, wo ich normalerweise Essen gehen wuerde. Vor dem Shop standen einige 'hawker stalls' (eine Kochstelle auf Raedern), wo man verschiedene Gerichte bestellen konnte - Nudeln, Reis, Reisnudeln, Curry, Fisch usw. Jeder 'hawker stall' verkauft etwas anderes, somit gibt es keinen Kampf um die Preise und Gaeste. Ziemlich klever. Das Essen wird hier auf Anfrage frisch hergestellt, die Zutaten dagegen liegen hier unabgedeckt neben der Kochstelle. Fleisch, Fisch und Nudeln befinden sich ohne Verpackung auf dem Regal. Die Gesundheitsbehoerde in Deutschland wuerde den Laden sofort schliessen, nicht hier in Malaysia. Als wir uns umsahen, wurde mir ein wenig komisch im Magen. All die Gerueche passten mir gar nicht. Ich bin es einfach nicht gewoehnt, herzhaft zum Fruehstueck zu essen. Dennoch probierte ich 'chee cheong fun' und 'char kway teow', orderte dann aber doch Ruehreier auf Toast fuer mich - fuer umgerechnet EUR 0.91! Woot!

Zurueck im Hotel, checkten wir mal wieder aus und Bill und Lilian brachten uns zum 'Ferringi Beach', wo wir allein fuer unsere letzten entspannten Tage in den 'Holiday Inn Tower' einbuchten. Bill und Lilian fuhren zurueck nach Kuala Lumpur, wo sie leben. Wir zogen in den 16. Stock, in ein grosses Zimmer mit Blick auf's Meer und einen riesigen Huegel am anderen Ende des Strandes. Bevor die Sonne unterging, schauten wir uns noch den Strand und die umliegenden Laeden an. Dann sprangen wir kurz in den Pool, der sehr angenehm war, und setzten uns danach fuer einen Cocktail (EUR 3.80 pro Cocktail) an die Poolbar.

Spaeter machten wir uns zum Abendessen auf die Suche nach einem 'hawker stall food court' (verschiedene Essensstaende, mit Sitzbereich und Selbstbedienung). An der Strasse entlang, auf beiden Seiten, wurden gerade Staende mit allem moeglichen aufgebaut - 'pasa malam' - ein Nachtmarkt fuer Touristen mit Handtachen, Schuhen, Souvenieren, usw. Wir liefen teilweise zwischen den Staenden und ab und an ausserhalb der Staende, auf der Strasse, um den nervigen Verkaeufern zu entgehen. Das wirkte fuer mich ziemlich gefaehrlich. Die Auto's brausten nur so - ganz nah - an uns vorbei. Einige Verkaeufer auf der anderen Strassenseite versuchten uns sogar etwas zu verkaufen. Sie riefen ueber die Strasse, in der Hoffnung, wir wuerden hinueber kommen. Super nervig.

Nach nur kurzer Zeit, fanden wir endlich einen 'food court'. Tische und Stuehle waren von 'hawker' Staenden umringt. Verschiedene Gerueche standen in der Luft, Menschen draengten sich an den Staenden vorbei oder sassen an den Tischen mit verschiedenen Gerichten. Hier gab es ueber 20 Staende und jeder bot etwas anderes an. Ich entschied mich dazu, 'chicken murtabak' zu probieren - Huehnchen und Zwiebeln im Roti-Teig. Zum Nachtisch probierte ich 'apam balik', Banane im crepe. Super lecker und fuer EUR 0.28 das Stueck nicht zu uebertreffen. Johan befand sich im Paradies. Endlich all die Gerichte wieder essen koennen, die er in den letzten Jahren nicht in Australien bekommen konnte. Auf dem Weg zurueck zum Hotel, kaufte sich Johan 'jambu guava', in Scheiben geschnittene Guavefrucht mit wuerzigem Pulver. Super komischer Geschmack - sauer und wuerzig.

2012-02 Malaysia, Penang - Part 2

18.02.2012

Es stellte sich heraus, dass das Bett ganz okay war, solange man nur auf dem Ruecken schlief. Samstag Morgen standen wir gegen 7.30 Uhr auf (von wegen Urlaub) und genossen das Fruehstueck im Hotelrestaurant. Natuerlich wie im asiatischen Land anzunehmen, servierten sie Curries, Reis, Nudeln, Nasi Lemak (Kokusnussreis, gruene Gurke, gekochtes Ei und Samba). Keine Ahnung wie man am fruehen Morgen so etwas essen kann. Zum Glueck fand ich ein paar Croissants und Marmelade.

Danach machten wir uns chic fuer die Hochzeit. Ich hatte ein limettenfarbenes langes Kleid von einer Freundin geborgt, dass ich mir ueberwarf. Dann fuhren wir zu Tante Winnie's Haus. Das Haus stand in einer besseren Gegend, Haus an Haus mit den Nachbarhaeusern und war 2stoeckig. Bevor man hier ein Haus betritt, muss man seine Schuhe ausziehen. Vor Winnie's Eingangstuer tummelten sich einige Schuhpaare... Die Raeume waren sperrlich bestueckt und die Moebel waren zusammengewuerfelt von alten Moebeln der Geschwister. Vor dem Haus war ein kleiner Vorhof, auf dem normalerweise das Auto geparkt wird, heute stand dort ein mit malaysisch/chiniesischen Kuchen und Rohrzuckergetraenken gedeckter Tisch und ein paar Stuehle. Sobald jemand ein Stueck Kuchen von einem der vielen Teller nahm, wurde sofort aufgefuellt. Ein wenig wie Tischlein-deck-dich. lol

Waehrend wir auf den Braeutigam warteten, fuehrten sie mich im Haus umher, schossen Bilder von uns und der Braut und boten uns Fruehstueck an - Nasi Lamak. *urgh*

Die Hochzeit verlief nach einem ungeschriebenen Plan/Regeln - chinesische Tradition. Und im Endeffekt war die ganze Hochzeit nur fuer die Familie. Die Familie bestimmte, was wann geschah und wie schnell etwas getan wurde. Und jede Tante und jeder Onkel gab seinen Senf dazu. Grausam. Fuer mich wirkte das alles wie ein Rollenspiel des Paares fuer die Familie.

Die Tradition:

Der Braeutigam wurde in einem der zwei Hochzeitswagen vorgefahren – zwei, da das Brautpaar nicht zusammensein durfte, solange sie nicht verheiratet waren. Allerdings war es ihm nicht erlaubt, einfach so auszusteigen. Er musste warten, bis jemand ihm die Tuer aufmachte. Nicht irgendjemand, es musste ein Junge unter 10 Jahren sein, mit einem kompatiblen Sternzeichen zu dem des Braeutigams. Nachdem dieser die Tuer oeffnete, erhaelt er ein 'ang pau' (einen Umschlag mit ein wenig Geld) vom Braeutigam.

Der Vater der Braut laed den Braeutigam dann zu Kuchen und was zu trinken ein. Nur der Braeutigam und seine maennlichen Freunde waren erlaubt am Tisch zu sitzen. Waehrend sie assen, ueberreichte er seiner zukuenftigen Schwiegermutter ein Geschenk - dies war eine runde Holztruhe mit mehreren Schichten, darin waren einige Orangen und einige Flaschen Alkohol. Es ist unhoeflich, alles zu behalten, somit nimmt sie nur die Haelfte heraus und gibt die andere Haelfte zurueck. Nachdem die Maenner einige Stuecke verzehrt hatten, lud der Vater der Braut den Braeutigam ins Haus ein. Dieser setzt sich dann ins Wohnzimmer (ein Stuhl wurde dort bereits plaziert). Von der Braut ist noch nichts zu sehen oder hoeren. Der Junge von zuvor bringt dem Braeutigam eine Tasse Tee, dieser muss die Tasse austrinken und ueberreicht dem Jungen dann erneut ein Geldpaket. Nun darf er die Treppen hinauf gehen und seine Braut erobern. Nach wenigen Minuten kommen sie dann hinunter, Bilder werden geschossen. Beide muessen erneut fuer einige Minuten auf den Stuehlen im Wohnzimmer platznehmen – mehr Bilder werden geschossen. Dann steigt die Braut in ihren Wagen und der Braeutigam in den anderen und alle fahren zur St Anne's Kirche.

Rund 50 Leute nehmen dort platz, Faecher wurden verteilt - die Hitze war fast unertraeglich. Nur vom Sitzen rannte mir das Wasser den Ruecken runter und natuerlich gab es keine Klima hier, nur Ventilatoren. Der Braeutigam betrat die Kirche und wartete auf seine Braut, die nur wenig spaeter vom Vater hinein begleitet wurde. Eine Stunde Gesang und Gebete folgten - natuerlich nach Plan. An einer Stelle nahmen sich alle an die Hand, ein Maedel neben mir ergriff meine und wollte diese fast nicht mehr loslassen. Dann wuenschte jeder allen Personen neben, vor und hinter einem "Der Friede sei mit dir." Natuerlich drehten sich die Leute vor uns auch zu uns um und die Leute hinter uns und neben uns wuenschten dies uns ebenfalls. Ich fuehlte mich unbehaglich. Ich bin nicht religioes und finde das alles ist nur ein sehr unglaubwuerdiges Spiel. Was sagt man also den Leuten, ohne diese Worte nutzen zu muessen und dennoch deren Glauben zu respektieren. Also bedankte ich mich nur. Dann wurden die Ringe uebergeben - waehrend je eine Person neben dem Paar stand und einen Zettel mit dem Geluebde hochhielt. Das Geluebde wurde dann vorgelesen. Ich fand, das war sehr unpersoenlich. Die haben sich nicht mal dabei in die Augen geschaut, als sie sich versprachen fuer immer und ewig fuereinander da zu sein. Dann zuendeten sie zusammen eine Kerze an, 'assen' die Obfergabe (das runde Plaettchen, was ihnen der Priest in den Mund legt) und dann kuesster er die Braut. Nach ein paar geschossenen Fotos, machte sich das frisch vermaehlte Paar mit allen Familienmitgliedern des Mannes auf zum Haus seiner Familie. Dort wurde sie dann offiziell der Familie vorgestellt. Die Familie der Frau durfte nicht dabei sein.

Also machten wir uns wieder auf den Weg zu Winnie's Haus, um zu Mittag zu essen. Es gab einen Mix aus chinesischem, malaysischem und typischem Penang Essen - fried chicken, Curry, asiatische Salate, Schwein und Reis. Einige Familienmitglieder benutzten ihre Haende um den Reis und das Curry zu essen. Als ich danach fragte, erklaerten sie mir, dass Malays traditionell mit Fingern essen. Die Anderen assen mit Loeffel und Gabel. Messer werden hier nicht genutzt. Sie erklaerten mir, dass Malays mit Fingern oder Loeffel und Gabel essen, Chinesen essen meist mit Chopstix. Also versuchte ich mein Fleisch mit Loeffel und Gabel noch ein wenig mehr zu zerteilen - harte Arbeit. Der Vater der Braut verteilte dann kleine Geschenke an alle weiblichen Familienmitglieder - fuenf verschieden grosse Taeschchen sehr schoen verziert.

Dann machten wir uns auf den Weg zum neuen Hotel 'Traders', wo alle Gaeste die Nacht verbrachten - die Feier wird dort im Hotel ebenfalls statt finden. Diesmal nahmen wir die Faehre ueber den Fluss, um dem Stau auf der Bruecke zu entgehen. Dennoch waren die Strassen voll. Wie hier ueblich, war der Verkehr verrueckt. Hupen wurden hier regelmaessig benutzt, als Zeichen fuer "Achtung, ich komme." und "Weg da." und "Du bist viel zu langsam unterwegs." Bill fluchte alle fuenf Minuten. Nachdem wir den Fluss mit der Faehre ueberquerrt hatten und Penang erreichten, wurde der Verkehr noch schlimmer. Die Strassen waren voll, man konnte kaum einen Flecken Strasse erkennen, Auto's dicht an dicht. Auf dem Fussweg erblickte ich einen Mann (Obdachloser), der mit nur einem Badetuch um seine Huefte bekleided war. Er nahm eine Dusche unter dem Wasserstrahl eines kaputten Huedranten. Als er fertig war, lief er ueber die Strasse, bis er zwischen den vielen Auto's verschwand.

Nachdem wir eingecheckt hatten, ging ich mit Lilian und Bill in ein Cafe. Wir brauchten nun dringend einen Eiskaffee. Obwohl mich mein Reisedoktor zuvor gewarnt hatte, hier Eiswuerfel oder Milchprodukte zu trinken, bestellte ich einen Eiskaffee mit Milch, Eis, Eiswuerfeln und Sahne. Es schmeckte gut, konnte also nicht schlecht fuer mich sein, oder? Nur wenig spaeter gurgelte es in meinem Bauch dramatisch. oh ohh. Zum Glueck hielt das komische Gefuehl nicht sehr lang an...

Gegen 18 Uhr war dann die Tee Zeremony angesetzt. Ich trug mein rotes Abendkleid und hoffte, dass ich die richtige Wahl getroffen hatte - ich wollte aus Respekt nicht zu viel Haut zeigen. Als wir den Vorsaal erreichten, warteten schon einige Leute. Und innerhalb der naechsten Stunde, trafen rund 500 Gaeste ein. Solange wir warteten, reichten sie Getraenke und eine Gruppe junger Maenner spielte klassische chinesische Musik. Dann endlich traf auch das Brautpaar ein, somit konnte die Tee Zeremony beginnen. Alle begaben sich in einen recht kleinen Raum (die Familie nahm im Raum platz, alle anderen Gaeste durften von der Tuer aus zuschauen). In der Tee Zeremony wird nun der Mann der Familie der Frau offiziel vorgestellt. Zuerst nimmt der aelteste maennliche Verwandte mit Partner platz. Das frisch vermaehlte Paar ueberreicht ihnen ein Schaelchen Tee und ein kleines Geschenk. Nachdem sie den Tee getrunken und das Geschenk akzeptiert haben, erlauben sie dem Braeutigam sie bei dem Vornamen anzusprechen (jemandem bei dem Vornamen anzusprechen wird in manchen Kreisen als unhoeflich bezeichnet). Danach ueberreichen sie dem verheirateten Paar einen Umschlag (ang pau) mit ein wenig Geld. Dies ging fuer etwa eine halbe Stunde so - aelteste maennliche Verwandte, dann aelteste weibliche Verwandte usw. Danach durfte sich das Paar hinsetzen und alle Verwandten die juenger waren als sie stellten sich dem Paar vor - die Rangfolge war die Selbe. Da Johan der Aelteste war, war er als erster an der Reihe. Johan's Familie deutete, dass ich ebenfalls mit ihm nach vorne treten sollte. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich, worum es bei dieser Zeremonie ging. Obwohl ich mich weigerte, schoben sie mich nach vorn. Das Paar erklaerte uns, dass wir sie Schwester Imelda und Bruder Vincent nennen koennen. Wir erwiederten das Gleiche mit unseren Namen. Dann ueberreichten sie uns je ein 'ang pau'. Wir bedankten uns und setzten uns wieder. Spaeter schauten wir in den Umschlag und fanden RM8 (EUR 2). lol

Nachdem die Zeremonie beendet war, oeffneten sie die Tueren zum Saal, wo wir rund 40 gedeckte Tische mit je 9 Stuehlen vorfanden. Auf dem Tisch befand sich ein riesiger Drehteller, Blumen, chinesisches Geschirr, Chopstix (und Chopstix als Geschenk zum Mitnehmen), eine kleine rote Box (in der befand sich ein Stueck des Hochzeitskuchens) und ein Strauss Kuchen (Ja das ist richtig. Ein Strauss Kuchen! Eine Kugel Kuchenteig um die Spitze eines Holzstocks gebacken und mit Zuckerguss verziert, hergerichtet wie ein Blumenstrauss). Wir nahmen alle platz, ich hatte einen guten Blick auf die Buehne und den Tisch des Brautpaares. Als das Brautpaar auf dem roten Teppich herein kam, schmissen wir Blumenkonfetti und Reis. Waehrend Bands Musik spielten - erst malaysische und kantonesische, dann englische Songs - brachten sie 8 verschiedene Gerichte auf den Tisch.

1) Prawn Salat mit Fruechten, kross gebratene Entenstuecke, Qualle, baby Octopus und Huhn.

2) Doppelt gekochte Huehnersuppe (das Huhn hat angeblich weisse Federn, aber die Haut ist schwarz) mit getrockneten Jakobsmuscheln, Fischeiern und Bamboomark.

3) Knochenloses Huhn mit chinesischer BBQ Sauce und frittierten Zwiebelringen.

4) Geschmorte mexikanische Abalone mit schwarzen Pilzen und Brokoli.

5) Im Wok fritierte Prawns in Cheddar.

6) Geduensteter Grouper (Zackenbarsch) in Soy Sauce.

7) Krosse Eiernudeln (Sang mee) mit Seafood.

8) Doppelt gekochte Meereskokusnus mit 'Snow Fungus' (Silberohr Pilz) - Nachtisch.

Ich probierte alles, auch wenn einige Dinge sehr komisch aussahen oder komisch rochen. Aber wann bekommt man schon mal die Moeglichkeit, ein schwarzes Huhn oder Qualle zu essen!?

Waehrend des Essens, stiessen wir alle auf's Brautpaar an. Tradition ist es hier, laut 'yum seng' (Prost) zu rufen, waehrend sich das Paar kuesst - das soll viel Glueck bringen. Je laenger die Gaeste 'yuuuuum' sagen, desto laenger muessen sie sich kuessen. Der Raum wurde lange vom 'yum'en erfuellt, bevor dann alle lautstark 'seng' riefen. Die Musikrichtung aenderte sich am spaeteren Abend sehr - sie spielten 'Take me home, country road' und 'YMCA' usw. Jeder sang mit und viele tanzten auf der Tanzflaeche. Da Johan's Familie ihn gerne tanzen sehen wollte, zeigten wir ihnen einen cha cha. Jeder schaute uns zu und applaudierte danach. Da ich noch immer mit meiner Erkaeltung kaempfte, entschieden wir uns dazu, gegen Mitternacht ins Bett zu gehen - die Party ging auch ohne uns weiter...

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